Mental Coach Marco Wegner
zurück 29.April.2017
Warum Deine Freunde und die Familie selten gute Berater sind ?!
Marco Wegner - Warum Deine Freunde und die Familie selten gute Berater sind ?!

„Bisher hatte ich die Entscheidungen in meinem Leben meistens aufgrund anderer Überlegungen getroffen, zum Beispiel aufgrund von Ratschlägen meiner Familie, weil es irgendeinen sozialen Druck gab oder aufgrund der Meinungen anderer Leute.“*

Egal warum Du schon einmal eine Beratung wahrgenommen hast, Du hattest dafür einen wichtigen Grund. Dieser Grund liegt naturbedingt schon einmal darin, dass das Leben selbst Problem-Produzent und Problem-Lösung in einer „Person“ ist, wie Carl Popper einmal gesagt hat.

Probleme sind also -positiv betrachtet – prima Persönlichkeitsentwickler.

Zu dieser Einsicht kommen wir allerdings erst später, wenn das Thema abgeschlossen und das Problem aus der Welt geschafft ist. In der Problem-Situation selbst suchen wir entweder Hilfe oder wir versuchen das „Ding alleine zu knacken“.

Einige beißen sich an schwierigen Problemen sprichwörtlich die Zähne aus, andere wiederum geben irgendwann erschöpft auf und hin & wieder löst sich das Problem von selbst auf. Doch das ist nicht immer der Fall.

Aber wer kann Dir wirklich mit gutem Rat zur Seite stehen? Von wem ist tatsächlich echte Hilfe zu erwarten?

Die ersten Anlaufstellen sind ganz klassisch die Familie oder Freunde, wenn, ja wenn sie nicht selbst das Problem sind. Du kannst Dich sicherlich an mehr als eine Situation erinnern, wo genau das der „Fall“ war oder gerade ist. Hiermit ist übrigens nicht nur die berühmte Schwiegermutter gemeint. Da gibt es noch ganz andere Kandidaten.

Doch selbst wenn Du glaubst, dass die Familie oder Freunde in keinster Weise mit in Dein Problem involviert sind, dann sind sie es irgendwie doch und das spürst Du irgendwann auch.

Du spürst vielleicht so etwas wie einen dumpfen und dunklen Druck, hast unbeschreiblich unangenehme Gefühle, Dein Körper registriert seltsame Signale und in Deinem Kopf fahren Deine Gedanken Karussell.

Das sind Deine Warnsignale, – auf die Du dringend achten solltest und für die Du auch dankbar sein darfst. Denn sie zeigen Dir, dass etwas nicht stimmt.

„Frechheit, so etwas zu behaupten!“ … höre ich bereits den – von guter Moral geprägten – Leser und selbstlosen Ratgeber brummen. „Wenn ich einem Familienmitglied oder Freund etwas rate, dann will ich doch nur das Beste für ihn. Also was soll der Quatsch?!

 

D i e  E m o t i o n e n  w e r d e n   l a u t.  –  D i e  W o g e n  s c h l a g e n  h ö h e r.

 

Und genau darin unterscheidet sich persönliche Betroffenheit von professioneller Beratung.

Weil die besagte Betroffenheit zur beklemmenden Befangenheit wird und weil banale Bedenken und bodenlose Befürchtungen die Beratung durch Freunde oder Familie mit ihrem bitteren Beigeschmack begleiten. Gut gemeint ist eben noch lange nicht gut gemacht. Und für die, die es besonders gut meinen, hat Heinrich Böll den Begriff ‚fürsorgliche Belagerung“ mit seinem gleichnamigen Buchtitel geprägt.

In diesem >gut-gemeint< finden wir zwar die Beweggründe doch gleichzeitig auch die Behinderung für eine gelungene Beratung. Denn ganz gleich, ob sich die Person für absolut unbefangen hält, – sie ist es nicht. Sie kann es auch nicht sein. Das ist das tragische Dilemma.

Unsere soziale „Verstrickung, Verwicklung und Verquickung“ mit Freunden & der Familie verhindert eine bewertungsfreie und damit neutrale Sicht auf die Dinge. Den neutralen Dritten werden wir hier sicherlich nicht finden. Die beste Freundin, der eigene Bruder oder die Kollegen, sie alle begleiten uns mehr oder weniger im Alltag und sie alle meinen uns und unsere Beweggründe zu kennen und damit auch zu wissen, was gut für uns ist.

Doch der Einzige, der Dich wirklich kennt und weiß was Du brauchst, das bist Du ganz allein.

Und so kommt es nicht von ungefähr, dass Du Entscheidungen triffst, die auch sie betreffen. Vielleicht nicht direkt … aber doch indirekt. Und somit fallen die Konsequenzen Deiner Entscheidung unweigerlich auf sie zurück.

(Ich kann schlichtweg keine Entscheidungen treffen, die nur mich betreffen, auch dann nicht, wenn ich eine Entscheidung nur für mich treffe.)

Eine neutrale und in diesem Sinne auch uneigennützige Beratung durch Freunde und Familie erscheint in meinen Augen daher einfach unmöglich. Zusätzlich dürfen wir bei der Wahl unseres familiären oder freundschaftlichen Beraters den Einfluss unserer raffinierten Psyche nicht vernachlässigen. Wir entscheiden schließlich selbst, bei wem wir uns Rat holen. Und damit bestimmen wir bereits den Ausgang der freundschaftlich-familiären Beratung mit.

Dazu ein kleiner Test:

Erinnere Dich einmal daran, wann und mit welchem Thema Du wen um Rat gefragt hast. Ganz egal ob es eine oder mehrere Personen waren. Wobei es schon sehr spannend ist, wenn es mehr als eine Person war.

Es gibt mindestens zwei Varianten, – die Du wählen kannst.

Variante 1: Da ist zum einen die Person, bei der Du Dir die Bestätigung Deiner Denkweise abholen kannst. Und wenn Du mehrere Bestätigungen brauchst, brauchst Du nur diejenigen fragen, von denen Du ziemlich genau weißt oder zu mindestens erahnst, dass sie Dich in Deinen Gedankengängen bestätigen werden.

Variante 2: Du konsultierst eine oder mehrere Personen, die Dich von Deiner Idee abbringen sollen, weil Du Dir unsicher bist, ob Du diesen Weg wirklich gehen willst. In diesem Fall suchst Du nach der Bestätigung etwas nicht tun zu müssen und erhältst quasi die Zustimmung, diese fixe Idee ganz schnell wieder zu verwerfen.

In beiden Varianten holst Du Dir also lediglich die „Erlaubnis“ etwas zu tun oder etwas zu unterlassen. Und in beiden Varianten weißt Du sehr genau, wen Du fragen kannst und wen lieber nicht, je nachdem wie Dein Grundtenor gestimmt ist.

Nicht, dass ich dieses Phänomen nicht selbst schon am eigenen Leibe erlebt hätte, doch ich würde heute wohl kaum noch von Beratung sprechen. Vielmehr sind es freundschaftliche oder familiäre Rat/Schläge. Das Wort „Schläge“ kommt an dieser Stelle übrigens nicht von ungefähr. Es ist eben oft eher ein Abraten oder Zuraten. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Eine echte und professionelle Beratung dagegen soll Dich dazu befähigen, Deine Entscheidungen selbst zu treffen. Aus Dir selbst heraus, – ohne Beeinflussung in irgendeine Richtung.

Und jetzt kommt die eigentliche Pointe. Während Du von der Familie und Deinen Freunden lediglich ihre eigenen Sichtweisen über die Welt erfährst und eher Antworten auf Deine Fragen bekommst, stellt Dir der professionelle Berater seinerseits Fragen. Welch Ironie, möchte man meinen.

Der Berater stellt Dir Fragen, die es Dir erlauben eine andere Perspektive zu Deiner eigenen Fragestellung bzw. Problemstellung einzunehmen. Er sagt Dir eben nicht, was Du tun oder lassen sollst. Er erarbeitet mit Dir einen Lösungsweg ohne jedoch den Weg vorzugeben. Er gibt Dir keine Tipps, keine Ratschläge und erst recht keine Patentlösungen. Er lenkt Dich weder in die eine noch in die andere Richtung. Es sagt nicht, das ist richtig und jenes ist falsch. Er ist die Neutralität in Person und sein einziges Engagement liegt „lediglich“ darin, dass Du die richtige Lösung für Dich selbst heraus findest.

Die Kunst der Beratung liegt also nicht in der Mannigfaltigkeit von Antworten sondern in der Kunst, die richtigen Fragen zu stellen. Fragen, die zur Selbsterkenntnis führen.

Wer diese Kunst beherrscht, der hat eine jahrelange Ausbildung absolviert und sich noch mehr Jahre in der beratenden Praxis bewährt. Im alten Rom dauerte die Ausbildung zum Berater (consiliator) mehr als zehn Jahre und er musste erst ein reifes Alter aufweisen, bevor er seine Dienste überhaupt anbieten durfte.

Daher kommt übrigens auch der Spruch: „Guter Rat ist teuer und schlechter Rat kann einem teuer zu stehen kommen“.

Den schlechten Berater hat Dante Alighieri in seinem Buch >Die Göttliche Komödie< aus genau diesem Grund in den achten Höllenkreis verbannt, weil er den Ratsuchenden zu seinem eigenen finanziellen Vorteil beraten oder mit seinen schlechten Ratschlägen ins Unheil gestürzt hat.

Kurzum: Wir sind also grundsätzlich gut beraten, wenn wir selbst keinen Rat mehr wissen, einen professionellen Berater zu konsultieren. Wenn, ja wenn wir bereit sind, uns beraten zu lassen. Denn den Ausgang der Beratung kennt auch der Berater nicht.

Der Ausgang und das Ergebnis der Beratung sind offen und das ist auch gut so, denn am Ende triffst Du selbst eine Entscheidung für Dein Leben. Die professionelle Beratung hat Dich mit den richtigen Fragen – lediglich – dorthin gebracht, Dir Deine Fragen selbst zu beantworten und dann eine – aus Dir selbst entstandene – Entscheidung zu treffen.

Denn oftmals ist unser Problem nicht das eigentliche Problem.

Unser Problem ist unsere Einstellung zu dem Problem.

 

Autor: Marco Wegner / M.A. Counselling (HS)

Foto: Nicolas Alejandro

 

*Quelle: Strelecky, John (2016) Das Café am Rande der Welt. Eine Erzählung über den Sinn des Lebens. 14. Auflage, dtv: München

 

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29.April.2017

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Kommentar

Ja, diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Und ich bin glücklich und froh, vor etlichen Jahren „meine“ Beraterin gefunden zu haben.

Die Suche danach war von vielen Misserfolgen begleitet, weil man ja auch nicht mit jedem Berater/Psychologen klar kommt.

Ich finde es gut und hilfreich, sich Hilfe außerhalb seines persönlichen Umkreises zu suchen. Mir hat es geholfen und mich weiter gebracht.

Glück gehabt

Es braucht schon ein wenig Zeit, bis die richtige Person gefunden wird, da stimme ich dir zu Andrea.
Und neben der fachlichen Kompetenz des Berater bzw. einer Beraterin braucht es die „richtige Chemie“ zwischen beiden.
Wissenschaftliche Studien hierzu zeigen, dass die Beziehungsarbeit zwischen Berater und Klient 30% des Beratungserfolges ausmacht, denn erst dann kann der Klient auf seine eigenen Ressourcen zugreifen. Und um die geht es letztendlich ja.
By the way: Es sitzen sich immer noch zwei Menschen gegenüber.
Marco

Leider hatte ich mit meinem „Berater “ vor Ort,ganz großes Pech .Wohl auch dem geschuldet ,dass ich die für mich perfekte Beratung während eines Kuraufenthaltes kennenlernen durfte ,wir aber krankheitsbedingt nur wenig Kontakt hatten.
Ich werde mich definitiv nicht noch einmal auf „so etwas “ einlassen…..es sei denn…man trifft sich 2mal im Leben!

Das ist sehr bedauerlich Corinna,
doch es gibt wohl immer eine charmante Chance … für ein zweites Mal.
Meine Klienten kommen gerne mal (in der Vor- oder Nachsaison) für eine Intensivwoche auf die Insel.
Dann sind die Unterkünfte wieder erschwinglich und es kann die Abgeschiedenheit vom Großstadttrubel bzw. den eigenen vier Wänden zusätzlich genossen werden.
Nur eine Idee, die mir da für dich durch den Kopf geht.
Marco

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